Archivierung japanischer Games - 1

Games –  gemeint sind hier elektronische Games, die die meisten von uns aus ihrem Alltag kennen. Sie wurden lange bloss als Unterhaltung betrachtet und galten der wissenschaftlichen Forschung als nicht würdig.
Sie rücken jedoch langsam ins Licht der Kulturforschung. Dieser neue Ansatz betrachtet unterschiedliche Games wie Arcade-Spiele, Spiele für PCs und weitere Konsolen (Nintendo oder PlayStation) sowie Onlinespiele nicht mehr bloss als Zeitvertrieb, sondern als Forschungsgegenstand, der nun irgendwie aufbewahrt werden muss.
Schwierig ist die Archivierung solcher Spiele, denn sie sind zum Teil von Konsolen oder Software abhängig. Denn der Inhalt der Games kann nicht allein durch die menschlichen Augen und das Gehör wahrgenommen werden. Die Archivierung der Games ist daher eine Herausforderung (für die Bibliothek).
Die japanische Parlamentsbibliothek, National Diet Library, ist die einzige Bibliothek in Japan, die einen nationalen Sammelauftrag hat und deshalb die in Japan publizierten Bücher vom Verlag erhält. Sie gelangt dadurch nicht nur an die publizierten Printmedien, sondern auch an die in Japan veröffentlichten Games.1) Unten im Bild sieht man, dass einige von diesen Games im Online-Katalog der NDL gesucht und gefunden werden können.


(Beschreibung im Online-Katalog „NDL Online“ http://id.ndl.go.jp/bib/000008136145)

Das heisst nicht, dass die Archivierungsaufgabe bereits umfassend erfüllt worden ist. Es gibt noch Probleme bei der Game-Archivierung. Es handelt sich ja nicht nur um Video-Spiele, die in einem Träger-Medium wie DVD- oder CD-ROM, „verpackt“ sind und in dieser Form gesammelt werden können. Spiele, die als Programm existieren und zuerst auf einer Hardware installiert werden müssen, sind schwierig zu „sammeln“. Auch ist es bei so „verpackten“ Spielen unklar, für wie lange die Träger-Medien des Games halten. Und noch dazu kann ein Game in einem Träger-Medium nicht allein gespielt werden. Um einige Games spielen zu können, braucht man eine Spielkonsole. Einige Spielkonsolen werden nicht mehr produziert. Man erhält in solchen Fällen keinen Support mehr, wenn eine Konsole defekt ist.
Diese Herausforderungen konfrontieren Bibliotheken, Museen und Archive mit der eigentlich simplen Frage, was sie eigentlich bewahren oder bewahren sollen. Bei einer papierenen Publikation ist es einfach. Der Inhalt, also Text, wird in den Bänden getragen. Solange der Träger des Inhalts intakt ist, ist der Inhalt zugänglich.
An der Aufgabe der Archivierung arbeiten japanischen Institutionen wie Bunkachō (Agency for Cultural Affairs) und Ritsumeikan Daigaku Gēmu Kenkyū Sentā (Game Forschungszentrum an der Ritsumeikan Universität) jetzt fleissig. Seit 2015 veröffentlicht die Agency for Cultural Affairs eine Media Art Database (Development Version) [ メディア芸術データベース(開発版)], in der die Titel der Consolen-, Archade- und PC-Games zum Teil gesucht werden können. Dabei wird auch eine Metadatenstruktur für Computer-Spiele konzipiert, die von einer sonstigen Metadatenstruktur für Bücher abweicht. Das Game Forschungszentrum an der Ritsumeikan Universität, das führende Institut in diesem Bereich in Japan, führte 2016 eine Untersuchung durch, in der der Zustand der Game-Archivierung innerhalb und ausserhalb Japans erörtert wurde. In diesem Report wird festgestellt, dass bereits verschiedene Archivinstitutionen inner- und ausserhalb Japans existieren. Gleichzeitig warnt sie, dass die Vernetzung dieser Teilnehmer sowie die Etablierung des internationalen Metadatenstandards für die Archivierung noch notwendig sind. Darüber hinaus zielt eine Parlamentariergruppe für Manga, Anime und Game darauf ab, ein nationales Zentrum für Medienkünste einzurichten.
Nebst dieser Bemühung zur Aufbewahrung von Computer-Spielen  wirft das Medium zugleich ein neues Licht auf die Beziehung zwischen Medien und Menschen. Beim Video-Game erscheint das Verhältnis zwischen dem Behälter der Information, ihrer Zugänglichkeit zu den Menschen und die Einmaligkeit der Erfahrung enger und deutlicher als beim Buch. Dies bringt vielleicht auch eine neue Sicht auf die Medien im Allgemeinen, die in der Bibliothek bewahrt werden.
(Fortgesetzt)


1)        Ritsumeikan Daigaku Gēmu Kenkyū Sentā (2016). Gēmu ākaibu shozōkan renkei ni kakawaru chōsa jigyō jisshi hōkokusho.
http://mediag.bunka.go.jp/mediag_wp/wp-content/uploads/2017/04/9_rep_ritsumei.pdf (Zuletzt gesichtet: 22.03.2018)
In diesem Report werden 4 japanische Institutionen untersucht, die Computerspiele archivieren.  Laut dieses Reports sammelt die NDL seit 2000 Games, die auf CD- oder DVD-ROM gespeichert und in dieser Form verkauft werden. Im April 2015 betrug die Zahl der Titel 4639.




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